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Drei Wochen Afrika liegen hinter uns und nun heisst es sich langsam dem Berliner Winter zu stellen. Die Eindrücke die wir mitgebracht haben können gegensetzlicher nicht sein: Zunächst Kenia, Nairobi genauer gesagt.
Bei einem ersten Besuch im Frühjahr, bei dem ich die beiden Aktionskünstler Sam Hopkins und Alex Nicolic besuchen und ihr Projekt SLUM-TV kennenlernen wollte, wurde mit Johannes Hossfeld dem Leiter des dortigen Goethe Instituts die Idee für ein gemeinsames Musikprojektes geboren: Begeistert von der lebendigen Künstler und Musikerszene, die so komplett von der Berliner Szene abgekoppelt ist, wollen wir diese beiden Welten zusammenbringen. Schneller als gedacht, machen wir uns im Oktober wieder auf nach Nairobi, um dort mit kenianischen Musikern die Bühne zu teilen und an gemeinsamen Stücken im Studio zu feilen. Von den drei teilnehmenden Berliner Bands, Jahcoozi, Modeselektor und uns Teichmännern, bilden nun wir und Jahcoozi die Vorhut, bevor im nächsten Jahr dann Modelselektor dazustossen werden.

Die Kenianische Seite wiederum wächst vielfältig: Von Beginn an mit eingeplant sind das Dancehall Hip Hop Kollektiv Ukoo Flani und die Electropop Combo Just a Band, die ich beide bereits bei meinem ersten Besuch kennengelernt habe. Ukoo Flani ist ein offenes Kollektiv, das in voller Besetzung zu zwölft auf der Bühne steht. Just a Band wiederum ist ein multimedial arbeitendes Electropop Trio, das vorallem politische Themen in ihren Songs bearbeit. Alsbald schliessen sich uns auch Mr. Abbas, der Beatboxer Lon´ John und sein Spezl und Produzent Kimya an. Abbas ist der Superstar der Kenianischen Hip Hop Szene. Er hat schon mit Größen wie Arrested Development im Studio gestanden. Sein Name hat uns bei unserer Abreise dann noch vor einigem Stress bei den Sicherheitschecks am Flughafen bewart: Zutiefst misstrauisch gegenüber unseren Drumcomputern und Synthies im Handgepäck, haben sich die Mienen der Sicherheitsleute erhellt, als wir Mr. Abbas erwähnen. Freundlich werden wir durch die Checks gewunken, nicht ohne noch nach einer CD gefragt zu werden. Da wir auch mit traditionellen Musikern arbeiten wollen, kommen noch die Percussionistin und Sängerin Lydia Mwango, die auch den Kürbis trommelt und eine Handvoll Benge Musiker aus Kibera, Nairobis größtem Slum dazu.

Auftakt unseres Projektes ist der gemeinsame Auftritt im Rahmen des Urban Beats Festivals, für das Goethe Institut eine riesige Autowerkstatt in eine perfekte Konzerthalle verwandelt hat. Um die 1000 Gäste haben sich eingefunden, als Ukoo Flani fanatisch bejubelt den Abend einleiten. Doch schon bei Jahcoozi merkt man, dass das Publikum zunächst irritiert ist. Und tatsächlich scheinen die harten Beats aus Berlin, wie von einem anderen Stern für das Kenianische Publikum, dass sonst warme dem Reggae angelehnte Klänge gewöhnt ist. Doch Jahcoozi spielen um ihr und profilaktisch auch um unser Leben und hinterlassen ihr Publikum sprachlos und begeistert. Das hat Nariobi noch nicht gehört. Denn obwohl es hier vor bemerkenswerten Musikern wimmelt, herrscht in Kenia ein meist musikalischer Konservativismus vor: Dancehall klingt wie Danchall, Hip Hip wie Hip Hop, Reggae wie Reggae. Punkt.
Nach Jahcoozi folgt eine Tanzeinlage des Berliner BBoys Raphael mit einer kenianischen Breakdance Gruppe. Eine gemeinsam Jamsession mit Mr. Abbas und ein Beatbox Intro mit LJ leitet über in unseren Auftritt.
Der Wechsel auf Housetempo gestaltet sich erwartet schwierig, aber das Publikum macht mit. House in unserem Sinn findet in Kenia nicht statt, wenn es überhaupt elektronisch wird dann geht es meist in Richtung Trance. Ziemlich beeindruckt wiederum hat unser schweres Gerät aus Drummachines, Synthies, Gitarreneffektgeräten und einem bilderbuchhaften Kabelsalat. Am Ende des Abends sind alle zufrieden und begeistert und uns beschleicht schon das Gefühl, dass hier noch einiges passieren wird.
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Es folgen einige gemeinsame Tage im Studio. Eigentlich ist das Ziel sich erstmal zu beschnuppern, denn das eigentliche Projekt ist erst für 2010 geplant. Doch es stellt sich schnell heraus, welch explosives Potential in dieser Kombination steckt. Es hat sofort gefunkt und auch geflutscht, und so nehmen alle Beteiligten schon vielversprechende Songs mit, die sich gerade ihren Weg auf diverse Alben zwischen Nairobi und Berlin bahnen.

Eine kleine Jahcoozi Teichmann Safari zum Naivasha Lake vor der Abreise wollen wir uns dann doch nicht entgehen lassen, wenn auch Teile der Musikanten mit starken Verdauungsproblemen zu kämpfen haben. Das tödlichste Tier Afrikas, das Nilpferd bekommen wir dann allerdings doch nicht zu Gesicht, obwohl wir uns trotz Warnung nach Sonnenuntergang auf der Suche der selbigen furchtsam Richtung Seeufer rumschleichen. Der Versuch in der freien Wildbahn ein Feuer zu machen beschäftigt uns den Rest der Nacht. Ganz ohne technische Hilfsmittel klappt es nicht (Handsterilisator, Mückenspray und was der ausgestattete Europäer noch so mit sich führt..), aber nach ca. 1,5 Stunden können wir uns dann in Ruhe den scharmanischen Glut-Ritualen des Robot “Nawaschaimani” Koch hingeben und so geht es von nun als Tribe in die nächste Runde…
Am nächsten Morgen folgt eine kleine Radltour durch den benachbarten Hells Gate-Naturpark mit abschliessender Sintflut und zurück in Nairobi ein Besuch im Künstlerhaus Massai Mbilli Art Center.

Die Künstler Gomba, Ashif und ihren Massai Mbilli Kunstverein habe ich bereits bei meiner ersten Reise kennengelernt und freue mich sehr sie wiederzusehen. Massai Mbilli liegt in Kibera, dem mit 1 Mio Einwohnern wohl größten Slum in Afrika. Seit sieben Jahren hat das in Kibera aufgewachsene Kollektiv ihr Ghetto Art Center, untergebracht in einer bunt bemalten Wellblechhütte. Durch ihre Streetart Aktion “Wanted Peace Alive”, das sie während der schweren Unruhen im vorletzten Jahr gemacht haben, ist das Kollektiv zu einiger internationaler Bekanntheit gelangt. So konnten sie mittlerweile sogar ihre Hütte kaufen: 2000 Euro kostet sowas in Kibera. Bei unser nächsten Reise soll es dort dann eine Party geben.
Bevor es es direkt weiter zum Flughafen geht, verabschieden uns Johannes Hossfeld und die Musiker mit einer ausgelassenen Party. Gerne würden wir noch länger bleiben, doch Algerien ruft und da es keine passenden Direktflüge gibt, heisst es zurück nach Berlin, kurz durchgeschnauft und dann weiter nach Algier…
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